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Barther Werft investiert wegen guter Auftragslage

Von Wirtschaftskrise war 2009 nichts zu spüren. Die Barther Schiffswerft will 2010 investieren und damit den Standort und Arbeitsplätze sichern. Zoll, Bundesmarine, Lotsen, Bundespolizei, Fischereiaufsicht und, und, und — in der Barther Schiffswerft gab man sich die Klinke in die Hand. Von der Wirtschaftskrise keine Spur.

„Wir hatten 2009 eine gute Auftragslage, gerade in unserem Kerngeschäft, dem Reparatursektor. So haben wir unter anderem die Ausschreibungen für alle vier Sicherungsboote der Bundesmarine im letzten Jahr gewonnen“, erklärt Sebastian Kunsch zufrieden. Der Geschäftsführer der Schiffswerft schaut mit seiner Belegschaft auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Denn auch die sechs Lotsenboote des Landes MV gingen zur regelmäßigen Klasseerneuerung und Instandsetzung zur Barther Schiffswerft. Ebenso wurden in Barth unter anderem einige Schiffe des Zolls, der Fischereiaufsicht, der Bundespolizei sowie ein Schlepper des Wasser- und Schifffahrtsamtes überholt. Das Ausbildungssegelboot der Bundesmarine „Asta“ machte ebenfalls fest. Innenausbau, Planken und Masten wurden teilweise komplett überholt.

Zudem tut sich einiges im Neubausektor. Im Frühjahr konnte eine Yacht abgeliefert werden. In den letzten Wochen des Jahres wurde ein weiterer Neubau auf Kiel gelegt. Wieder eine Motoryacht. Noch vor Weihnachten konnte sie an den Eigner übergeben werden. Um den Termin halten zu können, arbeitete man in zwei Schichten.

Insgesamt hat man in der Barther Schiffswerft in den Jahren zehn Schiffsneubauten realisiert. „Es als Nebeneinsteiger geschafft zu haben, darauf sind wir sehr stolz. Wobei die Neubauschiene bei uns ja lediglich ein Zusatzgeschäft ist. Den Hauptumsatz erzielen wir im Reparaturbereich“, so Sebastian Kunsch. Der letzte Neubau, eine 38 Fuß lange klassische Motoryacht der Hanseartic Line aus Aluminium, gehört zu einer Serie. Bereits zwei dieses Typs wurden in Barth gebaut. „Weitere sind in Planung, zwei bereits für 2010 — das steht fest. Für eine Dritte hat es schon Vorgespräche gegeben“, erklärt Sebastian Kunsch. Investitionen auch auf dem eigenen Gelände: Am Kai entlang pflasterte das Barther Unternehmen Bossow weitere 4000 Quadratmeter. Seit Jahren arbeitet man in diesem Bereich zusammen.

2010 wird für die Schiffswerft in vielerlei Hinsicht ein äußerst interessantes Jahr. In den Werftstandort wird weiter investiert. Eine große, seit Jahren geplante Umbaumaßnahme wird realisiert.

Anstelle der alten Slipanlage in der Reparaturhalle wird ein 180 Tonnen Hublift eingebaut. Vor dem neuen Hublift kommt zudem ein großer Waschplatz für die Schiffe, um den unvermeidlichen Bewuchs am Schiffsrumpf vor der Reparatur zu entfernen. Das dabei anfallende Schmutzwasser wird aufgefangen und dann umweltgerecht entsorgt.

„Mit dem neuen Hublift sind wir dann endlich in der Lage, zwei bis drei Schiffe nebeneinander in der Halle bearbeiten zu können, wenn eins bereits aus dem Wasser ist und ein weiteres herausgenommen werden soll. Mit der alten Slipanlage war das so nicht möglich. Wir werden zukünftig einfach flexibler agieren und reagieren können“, ist sich Kunsch sicher. Das Besondere an dem Hublift: Alle Räder lassen sich in einem Radius von 360 Grad auf der Stelle drehen und können dann in jede beliebige Richtung fahren. Das ermöglicht es den Werftarbeitern, jedes Schiff in der engen Halle dorthin zu bugsieren, wohin es soll.

In Barth ist man damit auf dem neuesten Stand der Technik. Beginn der Umbaumaßnahme ist für Mai geplant. Fertig soll dann alles Anfang September sein, was der Geschäftsführer als ein „straffes Zeitfenster“ bezeichnet. Den Fördermittelbescheid des Landes jedenfalls brachte Wirtschaftsminister Jürgen Seidel im Herbst persönlich vorbei. Der Barther Hublift wird der größte seiner Art in Norddeutschland sein. Lediglich in Norddeich in Ostfriesland gibt es einen vergleichbaren. „Unsere anderen Mitbewerber haben andere Anlagen“, kommentiert Kunsch. Mit dem neuen Hublift wird zugleich das Hallentor vergrößert.

Die Investition bedeutet die Sicherung der Schiffswerft als Wirtschaftsstandort in Barth und damit Sicherung von mehr als 30 Arbeitsplätzen. Wobei 2010 erneut zwei bis drei Lehrlinge ausgebildet werden.

Bürgermeister Stefan Kerth hat der Schiffswerft zugesagt, dass die Zufahrt zur Werft auf Fahrtiefe gebaggert wird und die alte Mole bis zum zweiten Quartal 2010 dort wegkommt. Was Kunsch als „Schaffung bester Voraussetzungen“ für seinen Betrieb zusammenfasst. Denn er befürchtet, dass künftig größere Werften aggressiv in den Reparaturmarkt der kleineren reingehen und letzteren die Aufträge streitig machen. Der Wettbewerb wirke sich in der Branche durch die Krise schon jetzt stark aus. „Letztlich entscheidet neben den Ausschreibungen aber der gute Ruf. Unsere Leute, das ist das beste Aushängeschild der Barther Schiffswerft“, so Kunsch.

Quelle: Claudia Haiplick Lokalredaktion Ribnitz-Damgarten

Wirtschaftsfördergesellschaft Vorpommern mbH am 06.01.2010